Mittwoch, 7. Dezember 2016

Konrad Krautsalat und der fantastische Pausen-Verzwockler – Teil 2

Im Folgenden findet Ihr den zweiten Teil der Geschichte um „Konrad Krautsalat und den fantastischen Pausen-Verzwockler“. Falls einige unter Euch den ersten Teil noch nicht gelesen haben, hier ist er: » Konrad Krautsalat und der fantastische Pausen-Verzwockler

Konrad Krautsalat und der fantastische Pausen-Verzwockler


Für mein Patenkind Max


Zweite Abteilung, in welcher die Schulpause „vortrefflich verzwockelt“ wird und Frau Osterschreck ein seltsames Erlebnis hat.

Die Doppelstunde Mathematik war pünktlich um 9:30 Uhr zu Ende und die Schüler strömten erleichtert aus dem Schulgebäude – nun war große Pause! Konrad und Benjamin traten ebenfalls heraus auf den Schulhof, Benjamin hatte seinen Rucksack dabei. Die beiden Jungen mampften jeder ein Butterbrot und gingen in eine etwas abgelegene Ecke des Hofes, hinter dem Klettergerüst in der Nähe der Mülltonnen. Als sie dort angekommen waren, hatten sie ihre Brote verputzt, und nachdem sie sich sicher waren, dass niemand sie beobachtete, holte der große Benjamin den Pausen-Verzwockler hervor „Jetzt bin ich aber gespannt, was die irre Hilde mir da mitgegeben hat“, meinte er und drückte Konrad das kleine Kästchen mit den drei bunten Deckeln in die Hand: „Mach auf!“

Konrad Krautsalat wog das Kästchen kurz abschätzend in der Hand, es war nicht sehr schwer. Dann klappte er den grünen Deckel mit der Aufschrift „Piraten-Sause“ nach oben. Darunter war ein kleines Fach, es war leer. Es folgte der mittlere, blaue Deckel mit der Bezeichnung „Ritter-Spektakel“. Auch darunter befand sich ein leeres Fach, Benjamin seufzte. „Jetzt bleibt nur noch einer übrig“, murmelte Konrad und öffnete den roten Deckel, auf dem das Wort „Monster-Fiasko“ zu lesen war. Das Fach unter diesem Deckel jedoch war nicht leer: Darin lag eine glatte, länglich geformte, knallrote Pille!

„Steck sie in den Schlitz!“, forderte Benjamin seinen Freund auf. Konrad hatte die rote Pille aus dem kleinen Kästchen zwischen Daumen und Zeigefinger und hielt sie über die Rille des Verzwocklers. Er zögerte: „Was meinst du, was mit ‚Monster-Fiasko‘ gemeint ist?“, fragte er seinen Freund. „Keine Ahnung, wir finden’s einfach heraus“, gab der große Benjamin zur Antwort und stichelte weiter: „oder hast du Schiss?“ „Natürlich nicht!“, erwiderte Konrad entschieden und ließ die Pille in die Rille gleiten – nichts geschah. Nachdem einige ereignislose Sekunden verstrichen waren griff Konrad nach dem Metallgriff am rechten Ende der Spalte. Kurzentschlossen zog er den Griff nach links. Wieder war das knirschende Geräusch zu hören, und abermals schnarrte der Griff von selbst nach rechts zurück. Danach jedoch war ein seltsames Summen aus dem Kasten zu vernehmen. Es brach abrupt ab und ein lautes Klicken war zu hören. Konrad bemerkte, dass es von dem kleinen Schild in der rechten Ecke des Kastens stammte. Dieses hatte sich umgeklappt, jetzt stand dort zu lesen: „Total verzwockelt!“

Die beiden Jungen starrten immer noch erwartungsvoll auf den Verzwockler, als plötzlich eine laute Stimme hinter ihnen zu hören war: „Was treibt ihr beide da eigentlich?“ Erschrocken drehten sich Konrad und Benjamin um. Eine aschblonde Dauerwelle, ein geblümtes Kleid und zwei große Brillengläser auf einer langen, spitzen Nase – Walburga Osterschreck stand in ihrer ganzen Herrlichkeit vor ihnen. „Krautsalat und sein zu groß geratener Kompagnon, was habt ihr Kerle hier zu schaffen?“, hob Frau Osterschreck an. Ohne eine Antwort der Jungen abzuwarten, wollte sie gerade weiter schimpfen, als plötzlich etwas geschah: Ihre Nase begann zu wachsen! Sie wurde länger und länger, verformte sich, nahm eine gräuliche Farbe an – sie wurde zum Elefantenrüssel mitten in Frau Osterschrecks Gesicht. Die Stimme der Mathematiklehrerin wandelte sich zu einem Blasen und Tröten, das laut über den Schulhof schallte. Auch ihre Dauerwelle hatte sich verändert, sie war zu einer wilden, aschblonden Mähne geworden. Die große Brille war verschwunden, dafür glotzten nun zwei riesige Augen über den Elefantenrüssel hinweg.

Konrad und Benjamin starrten wie gebannt auf die verwandelte Lehrerin, die immer noch laut trötete und dabei aufgeregt ihren Rüssel schwenkte. Die Verwandlung war aber noch nicht vorbei: Auch ihre Ohren begannen zu wachsen – sie wurden zu gewaltigen, faltigen Lappen die wild hin und her flatterten, während das Monster Osterschreck trompetete und trompetete. Diesen Krawall bekamen natürlich auch die anderen Schüler auf dem Schulhof mit. In kürzester Zeit hatten sie sich alle versammelt, sie konnten kaum glauben, was sie sahen: Ein zotteliges Ungetüm mit geblümtem Kleid, Elefantenrüssel und gigantischen Ohren stand vor Benjamin und Konrad und veranstaltete einen ohrenbetäubenden Rabatz. Die Schülerinnen und Schüler bildeten in  respektvollem (aber nicht zu großem) Abstand einen Kreis um das Geschöpf und waren äußerst interessiert. Das Monster hatte Elefantenfüße, mit denen es laut aufstampfte und immer wieder trötete es laut und schwenkte dabei die Rüsselnase. Da klingelte plötzlich die Schulglocke – die Pause war zu Ende.

Mit dem schrillen Läuten der Glocke ging abermals eine Verwandlung durch das Monster Osterschreck, das sich vor Konrad und Benjamin aufgebaut hatte. Die Ohren wurden wieder kleiner, die Mähne wurde wieder zur Dauerwelle und der Rüssel wieder zur spitzen Nase. Schließlich war es wieder die Mathematiklehrerin Walburga Osterschreck, die mit Brille und Blumenkleid vor den Jungen stand und mit keifender Stimme rief: „Das alles musste einmal gesagt werden, Krautsalat. Merke dir das: Ich habe dich im Blick!“ Mit diesen Worten stampfte sie noch einmal auf, drehte sich um und lief schnurstracks auf das Schulgebäude zu. Einen kurzen Augenblick wunderte sie sich etwas darüber, dass so viele Schüler in einem Kreis um sie herum standen. Sie hatte doch nur wie üblich einigen Lausejungen eine Standpauke gehalten, das war doch nichts Ungewöhnliches, das tat sie fast immer, wenn sie Pausenaufsicht hatte. Doch Walburga Osterschreck war keine Frau, die sich lange mit unnötigen Gedanken befasste.

Konrad und sein Freund blickten Ihr mit offenen Mündern nach. Keiner von Ihnen war in der Lage, ein Wort zu sagen, es war einfach zu unglaublich, was da gerade geschehen war. Schließlich war es Konrad, der als erster seine Sprache wieder fand und in lautes Lachen ausbrach. Einen Moment später prustete auch Benjamin los, und schließlich fielen alle anderen Schülerinnen und Schüler ebenfalls in das Lachen mit ein.

Die erste große Pause an diesem Montag dauerte einige Minuten länger als sonst, denn die Schüler kehrten nicht mit dem Läuten der Schulglocke in das Schulgebäude zurück. Stattdessen lagen sie auf dem Schulhof und kugelten sich vor Lachen. Niemand achtete auf den Pausen-Verzwockler, der immer noch auf dem Boden neben Benjamin und Konrad stand. Das kleine Schild in der rechten oberen Ecke des Kastens hatte sich inzwischen übrigens erneut umgeklappt: Nun stand dort wieder zu lesen „Alles normal!“.