Mittwoch, 28. September 2016

Das weiße Kaninchen – Kritik

Szene aus „Das weiße Kaninchen“,
eingebunden über Zeit.de,
© SWR/Andreas Wünschirs.
Ein starker und beängstigender Film – die Handlung ist überspitzt, das Setting der Geschichte enorm verdichtet, dennoch hat das Ganze etwas erschreckend Realistisches. Der Film über die Machenschaften zweier Pädophiler und ihr gemeinsames Opfer – das Mädchen Sara (überzeugend und gut gespielt von Lena Urzendowsky) – fesselt von Beginn an. Das Verstörende dabei ist, dass neben der Perspektive der 13-Jährigen Schülerin auch die des pädophilen Lehrers Simon Keller (brillant verkörpert von Devid Striesow) im Zentrum der Darstellung steht. Der zweite Täter, der 17-jährige Kevin (Louis Hofmann), wird weniger beleuchtet, doch das ist gut so, denn so läuft alles auf das Figuren-Paar Sara und Simon hinaus. Der Lehrer ist das weiße Kaninchen, doch es ist kein Wunderland, in welche die Zuschauer auf seinen Spuren gelangen.

„Das weiße Kaninchen“ (Regie: Florian Schwarz, Drehbuch: Holger Karsten Schmidt, D 2016) ist ein exzellent gemachter Thriller – Vorsicht vor dem bösen Wolf im Internet! Das Perfide an der Geschichte des Films: Es ist ausgerechnet der engagierte Lehrer Simon, der seine Schüler im Unterricht vor den Gefahren des World Wide Web warnt, dabei aber selbst im Netz auf die Jagd geht.

Es den Machern des Films hoch anzurechnen, dass sie einen Weg gefunden haben, die brisante Chat-Kommunikation zwischen Sara und den Tätern szenisch umzusetzen – Mädchen und Lehrer kommunizieren unter einem nächtlichen Sternenhimmel, Kevin trifft sich mit Sara in einem Kaffee, in dem beide im Katzenkostüm sitzen. Dabei ist der Film keine platte Beispiel-Geschichte, die im Stil einer schwarzen Pädagogik das Internet verteufelt, sehr wohl werden aber deutlich die Gefahren aufgezeigt, die im grenzenlosen Netz lauern – ein sehr gut gemachter Film.