Donnerstag, 3. August 2017

Ein Zug in der Nacht

Foto: Michael Ottersbach  / pixelio.de
Das Prosa-Gedicht entstand in den Abendstunden des 28. Juli 2017 im Zug von Dresden nach Frankfurt – wir wissen vielleicht woher wir kommen, doch niemals wohin wir gehen. Nur dass wir dorthin gehen werden, das ist gewiss.

Ein Zug in der Nacht


Die Dunkelheit rast.

Alle Körper zerfließen, wir fahren und fahren durch Schatten und Licht, wir träumen das Morgen und kennen es nicht, immer weiter und weiter, kein Stillstand in Sicht.

Einst war ich  ein Koch, und ich bin es auch noch, die Mühen, die Schmerzen, die Lust, sie prägen so tief.

Wir fressen die Jahre, wir jagen dahin, ob du willst oder nicht, jedes Leben macht Sinn, der erscheint und vergeht, und schon ist er dahin.

Einst war ich ein Kind, und ich bin es auch noch, die Spiele von damals, wir liebten sie doch, warum leugnen, vergessen, wir brauchen sie noch.

Wir stürzen durchs All ohne Anfang und Ziel, und das Werden wird werden, so unendlich viel: keine Angst, keine Angst, keine Angst …

Samstag, 22. Juli 2017

Oralsex-Gedanken

Erotisches Schreiben ist ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt. In dieser kurzen Schreibübung habe ich mich an erotischer Prosa versucht. Die Schilderungen sollten drastisch sein, ohne ins Pornografische abzurutschen. Was meint Ihr, ist dies gelungen?

Oralsex-Gedanken


© BrandtMarke  / pixelio.de
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Karim lag nackt auf der Decke. Die Nacht war tropisch. Schwül-heiße Julitage und ebenso schweißtreibende Nächte, so war es nun schon seit einer Woche. Ein müder Blick auf das Smartphone, es war 02:15 Uhr; an Schlaf war nicht zu denken. Ein Auto, dann wieder Stille, das Dämmerlicht der Straßenbeleuchtung, das durch das Fenster fiel, ließ den Schweiß auf seiner Haut glänzen. Mechanisch glitt seine Hand in seinen Schoß, er begann sich zu massieren.

Zuerst dachte er an die Rothaarige von heute Morgen. Im 10:00 Uhr-Seminar an der Uni hatte sie ein Referat gehalten. Mit schwarzen Hot Pants und blauem Top hatte sie vor der Tafel gestanden und über „Historischen Materialismus“ gesprochen. Die knappe Kleidung hatte ihre dralle Figur überdeutlich zur Geltung gebracht. Karim stellte sich Ihre Brüste vor, groß und weich, wie es wohl wäre, sich an ihnen zu reiben. Dann kam ihr pausbackiges Gesicht mit den roten Locken in seiner Erinnerung hoch, dieser runde Mund, er drang in ihn ein. Das warm-feuchte Gefühl ihrer Zunge – inzwischen war er vom Massieren zum Wichsen übergegangen.

Dann, ohne dass er es gewollt hätte, sprangen seine Gedanken weiter. Sie sprangen weit zurück, damals als er 15 gewesen war. Eben hatte er sich noch vorgestellt, einen Mund in Besitz zu nehmen. Nun war da plötzlich die Erinnerung, wie es gewesen war, als sein Mund genommen wurde. Dieses berauschende Gefühl von hartem, warmem Menschenfleisch, die Wollust beim Reiben und Saugen, der Geschmack des Anderen und schließlich der geile Kick beim Empfangen und Schlucken …

Später ging ein Gewitter nieder; es war eine tropische Nacht.